Fuhletal Hex

Nach ca. einjähriger Vorbereitungszeit war es soweit. Mit einer eindrucksvollen Zeremonie wurde am 6. Januar 2009 die Hexengeburt in Szene gesetzt und damit die neue Häsgruppe "Bieremer Fuhletal Hex" ins Leben gerufen. Hexen kommen nicht im Kreissaal nieder, sondern stilgerecht aus luftiger Höhe auf einem Besen reitend. Danach brauen die zehn neuen Hexen ihr "gelbs Sälble". Die Zutaten klingen allerdings abenteuerlich:

"Kraut und Wurzel, Pilz und Schmoder, von der alter Hex der Koder, Borsten noch vom fetten Schwein, alles in den Topf hinein! Mäuserotz und Schneckenschleim, Krötenaug und Fliegenbein, von der Henne einen Kopf, in den Topf.Vom Kiebitz den Schopf, in den Topf, in den Topf! Alles ist jetzt drin im Topf. Fliegenbein und Hennenkopf, heiß gemacht, gerührt, beschworen, gut gehext und ausgegoren, noch ein Ei vom Nest der Schwalb, fertig ist die gelbe Salb."

 

 

 

 

Die Hexengeschichte

...gar mancher Wanderer beschleunigt seinen Schritt, wenn er durch das finstre Fuhle Tal* bei Beuren schreitet, sehr wohl ahnend, dass dies ein besonderer und unheimlicher Ort mit einer schaurigen Vergangenheit ist...

...keiner weiß genau, wie alt die Begebenheit wirklich ist, die unsere Väter, deren Väter und Vätersväter und die weiter zurückliegenden Vorfahren über Jahrhunderte mündlich überliefert haben. Denn schon zu Urzeiten gab es jene Frauen, die allerlei Kenntnisse über Kräuter, Wurzeln, Blüten, Blättern und Getier hatten. Sie verstunden meisterhaft die Kunst, daraus vielerlei Sälble, Sud und Gebräu zu bereiten, mit denen unter Verwendung seltsamer Beschwörungsformeln und komischer Sprüche wundersame Dinge möglich wurden. Gesundheit, Fruchtbarkeit und auch Glück wurden, wie die Überlieferung weiß, damit herbei beschworen. Doch wehe, man hatte den Groll dieser Frauen auf sich gezogen. Plötzliches Unglück, Gebrechen, große Not oder gar den grausigen Tod folgte dann oft auf mystische Weise. Auch in Beuren lebte einst eine Waldfrau mit zotteligem Haar und scharfem Blick, die einem Beurener Mannsbild zu helfen versprach, welcher in arge Not geraten war. Sie verabreichte ihm in einer Kanten ein gelbes Sälble, vermischt mit saurem Wein. Doch statt dem erhofften Glück, brachte der Trunk dem Mann das Unglück. In diesen Zeiten des Aberglaubens und des Hexenwahns geriet die Waldfrau in den Verdacht, eine Hexe zu sein, die vom Teufel besessen sei. Der Hexerei angeklagt, wurde die Frau durch das Landgericht schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung sollte auf dem Richtplatz nahe dem Wirtshaus zu Beuren stattfinden, aber die Frau entkam auf nie geklärte, mysteriöse Weise durch den Wald in das düstere, hügelige Gewann Fuhle Tal* und ward nie mehr gesehen. Unruhig wandert jedoch noch immer ihr Geist durch den Wald und manchmal sieht man dort ein helles Licht, das glänzt wie ein Stern auf dem Weg von Beuren nach Betenbrunn. Oft, besonders in der Fastenzeit flackert das Licht unruhig umher, und der Wanderer vernimmt ein leises Stöhnen und Wehklagen...

...er beschleunigt dann seinen Schritt, sehr wohl ahnend, dass dies ein besonderer und unheimlicher Ort mit einer schaurigen Vergangenheit ist...

Das Hexenhäs

Schwierig war es, dem Hexenhäs eine passende Gestalt und Farbe zu geben, galt es doch, eine hinreichende Harmonie mit den bestehenden Häsgruppen der Narrenzunft zu erreichen.So ist zum Beispiel die Bluse aus grünem Gminder-Leinen eine Anlehnung an die Figur des Tryllenbühlers. Die Farbe Grün ist außerdem im Beurener Wappen zu finden. Auf dem schwarzen Rock ist vorne eine Kanten (Krug) mit dazu gehörendem Sälbletopf (Becher) aufgenäht, beides weist auf die Begebenheit in der Hexengeschichte hin. Auf klischeehafte Details, wie z.B. Ringelsocken, karierter Rock etc., wurde ganz bewusst verzichtet. Die Kräuterkenntnisse der Hexe wird über einen Beutel symbolisiert, der mit verschiedenen Naturfarben bemalt ist, und in dem Heublumen, diverse Kräuter und Salben, keinesfalls aber Konfetti zu finden ist. Das Bild zeigt die Zunftnäherin Irma Schmid beim Nähen eines Hexenhäs.

Die Hexenmaske

 

Als Vorlage für die Maske der Bieremer Fuhletal Hex diente eine Illustration aus einem alten Märchenbuch der Brüder Grimm. Yogi Weiß entwickelte daraus, in Zusammenarbeit mit dem "Hexenausschuss" der Narrenzunft Tryllenbühler, die Maske.

Zum Schnitzen der Masken verwendet Yogi Weiss das weiche Holz der Weymouths-Kiefer, das zudem noch leichter im Gewicht und weniger anfällig gegen ein Verziehen ist, als Lindenholz. Zunächst wird mit einer Kopierfräse von dem Prototyp als Vorlage zeitgleich zwei Rohlinge in einem Arbeitsgang gefertigt, bei dem nur „das Grobe“ aus dem Holzklotz heraus gefräst wird. So bleiben noch neunzig Prozent zur individuellen Gestaltung durch manuelles Schnitzen übrig. Ist die Maske endgültig in ihrer Form, wird die Holzoberfläche mit Sandpapier etwas gebrochen, dreimal mit Farbe grundiert und schließlich koloriert. Die Herstellung einer fertigen Maske benötigt ungefähr zehn Arbeitsstunden.


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